Kraftfahrt-Bundesamt erlässt erneut Rückrufe zu Mercedes GLK-, C- und E-Klasse

Lahr, 21.09.2020 (lifePR) – Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat erneut unzulässige Abschalteinrichtungen in Mercedes-Modellen der Daimler AG entdeckt. Am 18. September 2020 erließ das KBA den 19. und 20. Rückruf in diesem Jahr. Betroffen von den Rückrufen sind Fahrzeuge der GLK-, C- und E-Klasse von Mercedes. Insgesamt sind 95 Diesel-Fahrzeuge davon weltweit unterwegs, etwa 78 in Deutschland, so die Behörde auf ihrer Rückruf-Datenbank. Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH rät vom Rückruf betroffenen Verbrauchern dazu, sich anwaltlich beraten zu lassen und empfiehlt ihren kostenfreien Online-Check. Ein Rückruf erhöht die Chancen vor Gericht auf Schadensersatz. Die Kanzlei gehört zu den führenden Sozietäten im Abgasskandal. Die Inhaber haben den Verbraucherzentrale Bundesverband in der VW-Musterfeststellungsklage vertreten, einen 830-Millionen-Euro-Vergleich ausverhandelt und deutsche Rechtsgeschichte geschrieben.
Daimler mit zahlreichen Rückrufen des KBA konfrontiert
Das Jahr 2020 ist noch nicht einmal zu Ende und schon hat Daimler 20 Rückrufe im Abgasskandal kassiert. Von der aktuellen Rückrufaktion sind die Mercedes-Modelle der GLK- (Baujahre 2014-2015), C- und E-Klasse (Baujahre 2009-2010) betroffen. Welche Motoren involviert sind, geht aus dem Bescheid des KBA nicht hervor. In der Regel sind jedoch die Motoren OM651 und OM642 mit unzulässigen Abschalteinrichtungen verbaut worden. Sie befinden sich in unzähligen Modellen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das KBA den Rückruf von 280.000 Daimler-Fahrzeugen in Deutschland angeordnet. Insgesamt sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums alleine in Deutschland rund 440.000 Fahrzeuge mit dieser Motorvariante zugelassen. Auch der OM 642, OM 622, OM 626 Und der OM 654 sind vom Skandal betroffen. Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer erwartet in den nächsten Monaten daher noch weitere Rückrufe.
In den aktuellen Rückrufen stuft das KBA die in den Fahrzeugen verwendete Technik als illegale Abschalteinrichtung ein. Ein Software-Update muss installiert werden. Daimler hält in der Regel die Technik für zulässig und will Beschwerde gegen den Bescheid einlegen. Mit dem Rückruf-Bescheid wächst die Zahl der Autos und Vans, die Daimler wegen des Vorwurfs einer illegalen Abschalteinrichtung zurückrufen musste oder muss auf mehr als 1,5 Millionen, davon etwa 610.000 in Deutschland. Die Daimler AG musste im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal ein Bußgeld von 870 Millionen Euro wegen Verletzung der Aufsichtspflicht in ihrem Unternehmen bezahlen.
Welche Modelle sind im Abgasskandal von Daimler verwickelt?
20 Rückrufe in einem Jahr. Um den Überblick nicht zu verlieren, listet die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer alle im Diesel-Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge mit den unterschiedlichsten Motoren auf:
OM640
A 160 CDI
A 180 CDI
A 200 CDI
B 180 CDI
B 200 CDI
OM642
C 350 CDI
C 350 CDI BlueEFFICIENCY
CLS 350 BlueTEC
CLS 350 BlueTEC 4MATIC
CLS 350 CDI
CLS 350 CDI BlueEFFICIENCY
E 280 CDI
E 300 BlueTEC
E 300 CDI BlueEFFICIENCY
E 350 BlueTEC
E 350 CDI BlueEFFICIENCY
G 280 CDI
G 300 CDI
G 350 d
GL 350 BlueTEC
GL 350 CDI BlueEFFICIENCY
GL 350 d
GLC 350 d
GLE 350 d Coupé
GLK 350 CDI
GLK 350 CDI BlueEFFICIENCY
ML 280 CDI
ML 300 CDI BlueEFFICIENCY
ML 350 BlueTEC
R 280 CDI
R 300 CDI
R 300 CDI BlueEFFICIENCY
R 350 CDI
S 350 BlueTEC
S 350 d
S 350 BlueTEC 4MATIC
S 350 d 4MATIC
Sprinter 218 CDI/318 CDI/418 CDI/518 CDI
Sprinter 219 BlueTEC/319 BlueTEC/519 BlueTEC
Sprinter 219 CDI/319 CDI/419 CDI/519 CDI
Viano 3.0 CDI/Vito 120 CDI
OM651
A 180 CDI
A 180 CDI BlueEFFICIENCY
A 200 CDI
A 200 CDI BlueEFFICIENCY
A 200 d
A 220 CDI
A 220 CDI BlueEFFICIENCY
A 220 d
B 180 CDI
B 180 CDI BlueEFFICIENCY
B 200 CDI
B 200 CDI BlueEFFICIENCY
B 200 d
B 220 CDI
B 220 CDI BlueEFFICIENCY
B 220 d
C 180 CDI
C 180 CDI BlueEFFICIENCY
C 200 CDI
C 200 CDI BlueEFFICIENCY
C 200 d (mit autom. Getriebe)
C 220 BlueTEC
C 220 BlueTEC BlueEFFICIENCY Edition
C 220 CDI
C 220 CDI BlueEFFICIENCY
C 220 d
C 220 d BlueEFFICIENCY Edition
C 250 BlueTEC
C 250 CDI
C 250 CDI BlueEFFICIENCY
C 250 d
C 300 BlueTEC HYBRID
C 300 h
CLA 200 CDI
CLA 200 d
CLA 220 CDI
CLA 220 d
CLS 220 BlueTEC
CLS 250 BlueTEC
CLS 250 CDI
CLS 250 CDI BlueEFFICIENCY
E 200 BlueTEC
E 200 CDI
E 200 CDI BlueEFFICIENCY
E 220 BlueTEC
E 220 BlueTEC BlueEFFICIENCY
E 220 CDI
E 220 CDI BlueEFFICIENCY
E 220 CDI BlueEFFICIENCY Edition
E 220 CDI Edition
E 250 BlueTEC
E 250 CDI
E 250 CDI BlueEFFICIENCY
E 300 BlueTEC HYBRID
GLA 200 CDI
GLA 200 d
GLA 220 CDI
GLA 220 d
GLC 250 d
GLK 200 CDI BlueEFFICIENCY
GLK 220 BlueTEC
GLK 220 CDI
GLK 220 CDI BlueEFFICIENCY
GLK 250 BlueTEC
GLK 250 CDI BlueEFFICIENCY
ML 250 BlueTEC
S 250 CDI BlueEFFICIENCY
S 300 BlueTEC HYBRID
SLK 250 CDI
SLK 250 CDI BlueEFFICIENCY
SLK 250 d
Sprinter 210 BlueTEC/310 BlueTEC/510 BlueTECa
Sprinter 210 CDI/310 CDI/510 CDI
Sprinter 213 BlueTEC/313 BlueTEC/413 BlueTEC/513 BlueTEC
Sprinter 213 CDI/313 CDI/513 CDI
Sprinter 216 BlueTEC/316 BlueTEC/416 BlueTEC/516 BlueTEC
Sprinter 216 CDI/316 CDI/416 CDI/516 CDI
V 220 CDI/Vito 116 CDI
V 250 BlueTEC/Vito 119 BlueTEC
Viano 2.0 CDI/Vito 113 CDI
Viano 2.2 CDI/Vito 116 CDI
Vito 110 CDI
OM622
C 180 BlueTEC
C 180d
C 200 BlueTEC
C 200d
OM626
Marco Polo
Vito
Vito Tourer
OM607
A-Klasse
B-Klasse
Citan
CLA
GLA
Chancen der Verbraucher gegen Daimler vor Gericht steigen
Die Rechtsprechung im Diesel-Abgasskandal der Daimler AG hat in den vergangenen Monaten eine neue verbraucherfreundliche Dynamik erhalten. Entscheidungen am Bundesgerichtshof und Äußerungen am Europäischen Gerichtshof betreffen nicht nur den Volkswagen-Konzern, sondern wirken sich auch auf Verfahren gegen die Daimler AG aus. Temperaturabhängig gesteuerte Abschalteinrichtungen wie das von Daimler in den Mercedes-Modellen verwendete Thermofenster sind vor dem EuGH am 30. April 2020 in Schlussanträgen als unzulässig bezeichnet worden. Mit dem Urteil in diesem ersten europäischen VW-Verfahren wird noch in diesem Jahr gerechnet. Auch der BGH hat mit seinem Beschluss vom 28. Januar 2020 (Az.  VIII ZR 57/19) den Druck auf Daimler erhöht. Der BGH bemängelte, dass das Oberlandesgericht Celle (Az. 7 U 263/18) kein Gutachten eingeholt hat, um zu klären, ob die Daimler AG das Abgaskontrollsystem im Motor OM 651 mit einer Abschalteinrichtung manipuliert hat oder nicht. Schadensersatzansprüche im Abgasskandal gegen Mercedes können von einem Gericht nicht einfach als Behauptungen „ins Blaue hinein“ abgewiesen werden. Es reicht, wenn der klagende Verbraucher seine Argumente schlüssig vorträgt und nicht bis ins kleinste Detail ausführt. Schließlich könne er nicht detailliert wissen, wie ein Motor funktioniere. Der Autobauer äußert sich bisher vor Gericht in der Regel höchst vage zu den gegen ihn gemachten Vorwürfen und verweist in der Regel auf Betriebsgeheimnisse, die er vor Gericht nicht preisgeben möchte.
Diese Entwicklung vor obersten Gerichten wirkt sich bereits auf untere Instanzen aus. Der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer liegen zwei aktuelle Verfügungen der Oberlandesgerichte Stuttgart, Nürnberg und Köln vor. Daimler wird darin aufgefordert, einen Typengenehmigungsantrag mit Prüfbericht und eine Rückrufanordnung des Kraftfahrt­-Bundesamtes vorzulegen – selbstverständlich ungeschwärzt. Damit könnte die Geheimhaltungstaktik von Daimler in bisherigen Verfahren ein Ende gesetzt werden. Das Oberlandesgericht Nürnberg (Az. 5 U 144/20) verfügte am 28. Mai 2020, dass Daimler „binnen 3 Wochen nach Zustellung dieser Verfügung die das streitgegenständliche Kraftfahrzeug betreffende Rückrufanordnung des Kraftfahrt­-Bundesamtes vorzulegen“ hat. „Die Vorlage hat vollständig und grundsätzlich ohne Schwärzungen zu erfolgen; nicht geschwärzt werden dürfen jedenfalls die Ausführungen des Kraftfahrt-­Bundesamtes zur Erläuterung der von ihm beanstandeten Funktionen.“ Falls Daimler nicht bereit ist, die Anordnung in ungeschwärzter Form vorzulegen, wird der Autobauer dazu aufgefordert, „stattdessen mit eigenen Worten darzulegen, welche konkreten Funktionen das Kraftfahrt-Bundesamt mit welcher Begründung beanstandet hat“.
Auch das Oberlandesgericht Stuttgart will dem Diesel-Abgasskandal bei Daimler wohl näher auf den Grund gehen und sich nicht nur mit vagen Behauptungen abspeisen lassen. In einer Verfügung vom 25. Mai 2020 wird Daimler aufgefordert, den für das streitgegenständliche Fahrzeug entsprechenden Typengenehmigungsantrag nebst Prüfbericht und Beschreibungsbogen dem Gericht vorzulegen (Az. 16a U 94/19). Die Kammer legt Wert darauf, dass die Passagen zur Abgasreinigung ungeschwärzt eingereicht werden und für das Gericht prüfbar sind. Auch das OLG Köln kündigte an, den KBA-Rückruf ungeschwärzt einsehen zu können (Az. 7 U 35120).

Unternehmen: Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH