Cyberwar: Die moderne Art der Kriegsführung

Noch im letzten Jahr stand das Vorprogramm der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Motto „The Force Awakens“. Was sich, in Anlehnung an Star Wars, futuristisch anhört, ist heute längst Realität geworden. Die zunehmende Abhängigkeit von der digitalen Welt führt dazu, dass Konflikte immer öfter im Cyberspace ausgetragen werden. Experten sprechen hier, neben Land, Luft, Wasser und Weltall, von der fünften Dimension der Kriegsführung.

Das Oxford English Dictionary beschreibt den Begriff „cyber warfare“ (dt.: Cyberkrieg) wie folgt: „Die Verwendung von Computertechnologien zur Unterbrechung der Aktivitäten eines Staates oder einer Organisation, die Angriffe auf deren Informationssysteme zu strategischen oder militärischen Zwecken ermöglichen.“

Wurde der Krieg bisher als bewaffneter, gewalttätiger Konflikt zwischen mindestens zwei Kollektiven definiert, wird diese Beschreibung dem Vorgang in der virtuellen Realität nicht mehr gerecht. Die Grenzen verwischen im Cyberwar: Alle kämpfen gegen alle – verdeckt, ohne Kriegserklärung und jenseits der Wahrnehmung der Öffentlichkeit.

Und so kommt es in der heutigen Zeit immer häufiger vor, dass Regierungen andere Länder beschuldigen, ihre Bürger mit Cyberwaffen angegriffen zu haben. Allerdings besteht die eigentliche Gefahr des Cyberkriegs vor allem darin, dass Hacker Regierungssysteme dazu bringen können, die eigenen Leute, Technologien und Computersysteme zu attackieren.

Die Methoden des Cyberkriegs unterscheiden sich dabei nicht von „normalen“ Cyberangriffen. So nutzen Täter u. a. Distributed Denial-of-Service-Attacken (DDoS), bei denen mehrere Computer gleichzeitig eine Webseite oder eine ganze Netzwerkinfrastruktur angreifen. Sie können so zu Komplettausfällen der Server führen. Auch Social Engineering und Spear-Phishing sind Instrumente der digitalen Kriegsführung, da sie Angreifer durch Täuschung in das System des Gegners einschleusen. Eine weitere Methode stellen Zero-Day-Exploit-Attacken dar, die Schwachstellen in Software ausnutzen, noch bevor diese vom Softwarehersteller durch einen Fix wieder geschlossen werden können.

Auch klassische Maulwürfe, sogenannte Insider, stellen ein großes Risiko des Cyberkriegs dar. Ein Beispiel hierfür ist der Fall Stuxnet aus dem Jahr 2010. Das Schadprogramm wurde speziell zum Angriff auf ein Steuerungsüberwachungssystem des Herstellers Siemens entwickelt. Es wurde dazu genutzt, die Motorengeschwindigkeit mehrerer Siemens-Computer zu manipulieren und so zu zerstören. Da der Großteil der infizierten Computer im Iran zu finden war, soll Stuxnet wohl darauf ausgelegt gewesen sein, die Leittechnik der Urananreicherungsanlage in Natans oder das Kernkraftwerk in Buschehr zu zerstören und so den Fortschritt des Nuklearwaffenprogramms zu verzögern – mithilfe eines Insiders.

Ein anderes Beispiel stammt aus Russland – dem immer wieder staatliche Cyberangriffe vorgeworfen werden. So soll Russland Medienberichten zufolge mehrfach mit Cyberattacken gegen die Ukraine vorgegangen sein: Der BlackEnergy-Trojaner wurde 2015 für DDoS-Angriffe, Cyberspionage und Datenvernichtung genutzt und verursachte in 700.000 ukrainischen Haushalten Stromausfälle.

Das Problem bei der Cyberkriegsführung ist, dass die Angreifer nur sehr schwer zu identifizieren sind. Obwohl in einigen Fällen Hacker-Gruppen sehr schnell die Verantwortung für Cyberattacken übernehmen, bleiben die dahinterstehenden Täter in der Regel anonym. Außerdem können militärische Organisationen oder Geheimdienste Hacker-Gruppen engagieren, um bei Attacken selbst unentdeckt zu bleiben. Deutlich wird, dass die Methoden des Cyberkriegs zwar bekannt sind, die Vorfälle aber nur selten rechtswirksam aufgeklärt werden können.

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9 Tipps von Ivanti zur Abwehr von Cyberangriffen auf Unternehmen

Laut einem aktuellen Medienbericht ist in Deutschland eine neue Welle von Cyberangriffen identifiziert worden. Das Internetportal „tagesschau.de“ vermeldet am 12. Juli 2018, dass deutsche Medienunternehmen sowie eine Organisation aus dem Bereich der Chemiewaffenforschung die Ziele des Angriffs seien. Der Medienbericht beruft sich dabei auf das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Das Portal schreibt: „Dem Verfassungsschutz liegen Indizien vor, die für eine Zuordnung der Angriffe zur russischen Hacker-Gruppierung "Sandworm" sprechen. Diese ist auf Cyber-Sabotage spezialisiert. Das BfV hält sie für ‚eine der derzeit gefährlichsten APT-Gruppierungen weltweit‘.“

In Zusammenhang mit diesem aktuellen Angriff und anderen, ähnlich gelagerten Fällen von Angriffen auf deutsche Unternehmen aus dem Ausland, gibt Ivanti, Anbieter für Sicherheits- und Unified IT-Lösungen, Tipps, wie sich Firmen wirkungsvoll im Vorfeld schützen können.

Schutz sensibler Daten in Zeiten des Kalten Cyber-Krieges

In der Welt der Cyberangriffe ist das Potenzial eines nationalstaatlichen Angriffs realer denn je. Während man zunächst annehmen kann, dass staatlich unterstützte Hacker motiviert sind, militärische und diplomatisch sensible Informationen zu sammeln, sind auch andere Motivationen im Spiel. In zunehmendem Maße verwenden nationalstaatliche Hacker leistungsfähige und hochentwickelte Techniken, um nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Industrieanlagen und Unternehmen zu attackieren. Ziel ist es meist, Organisationen und ihre Länder zu stören, zu destabilisieren und an vertrauliche Informationen zu gelangen.

Tatsächlich haben mehr als 60 Länder Cyberwaffen für Computerspionage und Angriffe entwickelt oder entwickeln sie gerade. Es handelt sich damit um eine Art Kaltem Cyber-Krieg, in dem Regierungen versuchen, sich gegenseitig mit einem wachsenden Arsenal an Cyberwaffen und Cyberabwehrstrategien zu überholen. Der „normale“ Cyberkriminelle lernt schnell von diesen militärischen Cyberwaffen, wodurch sich die Kluft zwischen nationalstaatlichen Angriffen und anderen Formen der Cyberkriminalität schnell schließt.

Über die potenziell lähmenden Auswirkungen eines nationalstaatlichen Angriffs hinaus können die Kosten hoch sein. Vor kurzem wurde ein US-Energieunternehmen mit einer Geldstrafe von 2,7 Millionen Dollar belegt, weil es kritische Daten mehr als 70 Tage lang ungeschützt ließ und damit gegen die Cybersicherheitsvorschriften des Energiesektors verstieß.

Beachten Sie folgende Tipps, um den Status Ihrer Cyberabwehr zu bewerten:

  1. Erkennen Sie, welche Informationen auf Ihren Systemen gespeichert sind und über Ihr Netzwerk laufen. Je sensibler die Informationen, desto gefährdeter sind sie für eine nationalstaatliche Bedrohung. Dies ist nicht nur für staatliche Stellen wichtig, sondern auch für jedes Unternehmen, das sensible Daten oder Geschäftsgeheimnisse aufbewahrt. Dies können Anwaltskanzleien, Hersteller, Finanzdienstleister, Versorgungsunternehmen, Einzelhandels- und Medienunternehmen sein. Darüber hinaus ist es wichtig, einen tiefen Einblick in die Datenverkehrsmuster in Ihrem Netzwerk zu gewinnen, damit Sie sowohl hochvolumige DDoS-Angriffe als auch kurzzeitige, niedrigvolumige Angriffe wie z.B. Stresstests erkennen können.
  2. Betrachten Sie die Herkunft Ihrer IT-Lieferanten. Überprüfen Sie sorgfältig alle neuen Technologien, die Sie von Unternehmen mit Sitz in Ländern erwerben, die die größten Bedrohungen für Ihr Netzwerk darstellen. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) ist eine nützliche Ressource, um die empfohlenen Einkaufsbeschränkungen für bestimmte Lieferanten oder Länder zu überprüfen.
  3. Isolieren Sie Ihre internen Netzwerke vom Internet. Wenn der Zugriff auf das Internet für bestimmte Anwendungen oder interne Datensätze nicht erforderlich ist, isolieren Sie diese internen Netzwerke vom Internet. Eine korrekte Netzwerksegmentierung und -isolierung kann dazu beitragen, einen externen, nicht autorisierten Zugriff auf kritische Daten zu verhindern und eine Abwehr gegen IP-Spoofing und "man in the middle"-Angriffe aufzubauen. Bei diesen täuscht ein Angreifer eine andere Herkunft von IP-Paketen vor bzw. fängt die Kommunikation zwischen zwei befreundeten Parteien meist unbemerkt ab.
  4. Setzen Sie Best Practices gewissenhaft zur Verteidigung ein. Stellen Sie sicher, dass Sie ein vollständiges Bild davon gewinnen, was in Ihrer IT-Umgebung vor sich geht. Dies betrifft sowohl autorisierte als auch nicht autorisierte Aktivitäten – denn Sie können sich gegen nichts schützen oder verteidigen, wovon Sie nichts wissen. Discovery oder Asset Management Tools bilden hier die beste Grundlage. Verwenden Sie außerdem Technologien und Prozesse, um Ihre Angriffsfläche zu reduzieren, Angriffe zu erkennen und schnelle Maßnahmen zu ergreifen. Technologien wie Patch- und Schwachstellen-Management, Application Whitelisting, Privilegien-Management, Identitätsmanagement, Datei- und Medienschutz und Ransomware-Schutz helfen, sich gegen das Potenzial von nationalstaatlichen Angriffen zu schützen. Verlassen Sie sich auf Lösungen, die umfangreiche Daten und Erkenntnisse liefern, um Ihre Sicherheitslage konsistent zu analysieren und die Einhaltung von Vorschriften nachzuweisen.
  5. Trainieren, trainieren, trainieren. Ihre Mitarbeiter können Ihre größte Schwäche oder auch Ihre wertvollste Verteidigungslinie darstellen. Stellen Sie sicher, dass Sie sie immer wiederkehrend darin schulen, bösartige Aktivitäten zu erkennen und zu melden. Und testen Sie dann ihr Wissen. Gut ausgebildete Mitarbeiter geben Ihrer Organisation eine zusätzliche Verteidigungsebene, die Sie benötigen, um böswillige nationalstaatliche Akteure am Durchbruch zu hindern.
  6. Teilen Sie Ihr Wissen. Wenn Sie Einblick in eine Cyber-Bedrohung haben, teilen Sie Ihre Erkenntnisse mit anderen. Je mehr Personen Einsicht in neue Bedrohungen und Schwachstellen haben, desto besser können sich alle Unternehmen gegen das Potenzial eines nationalstaatlichen Angriffs wehren.
  7. Patch-Management – Bewerten und aktualisieren Sie die Schwachstellen von Betriebssystemen und Anwendungen kontinuierlich. Keine Cybersecurity-Strategie ist ohne ein umfassendes Patch-Management vollständig. Der heutige Angriff ist ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit, mit Software-Updates Schritt zu halten. Die doc- und pdf-Exploit-Methode ist aus zwei Gründen wirksam. 1) Die Kompromittierung eines Benutzers ist ein statistisches Spiel und 2) es wird immer eine neue Software-Schwachstelle geben, wenn Office, Acrobat, etc. ausgenutzt werden sollen.
  8. Privilege Management – Admin-Rechte zurückfordern, wo immer es möglich ist. Für einen Angriff kann ein Krimineller eine Vielzahl von Tools wie Mimikatz verwenden, um die Anmeldeinformationen für ein System zu kompromittieren. Tools wie DoublePulsar kommen zum Einsatz, um eine Hintertür in eine Umgebung zu öffnen. Diese erlaubt ihm, sich quasi seitlich durch die Umgebung zu bewegen. Durch die Einschränkung der administrativen Rechte können Sie einen Angreifer verlangsamen und es ihm schwerer machen, sich in der Umgebung zu bewegen. Dies trägt massiv zur Verkleinerung der Angriffsfläche der gesamten Infrastruktur bei.
  9. Application Control – blockiert die Ausführung nicht vertrauenswürdiger Anwendungen. Das Dokument oder PDF, das ein Benutzer öffnet, ist in den meisten Fällen nicht die eigentliche Bedrohung, sondern der böswillige Payload, den die Datei in der Folge versucht nachzuladen und zu startet. Die Möglichkeit, nicht vertrauenswürdige Anwendungen zu blockieren, wirkt gegen viele Angriffstools. Ein solches Vorgehen bildet auch eine Zero-Day-Verteidigung, sollte ein Update noch nicht verfügbar sein, um die Schwachstelle auf Patch-Ebene zu blockieren. Traditionelles Whitelisting kann manchmal schwierig sein, daher sind dynamische Vertrauensmodelle und kontextuelle Regeln unerlässlich, um die traditionellen Schwierigkeiten bei der Einrichtung und Pflege einer Applikationskontrolle zu reduzieren.

Fazit

Es gibt durchaus Möglichkeiten, aktuelle Angriffsmethoden zu erkennen und zu verhindern. Der Aufbau eines effektiven Sicherheitsprogramms auf der Grundlage einer guten Cyberhygiene und die Erweiterung um zusätzliche Funktionen, die speziell auf Bedrohungen mit hohem Risiko für Ihr Unternehmen zugeschnitten sind, ist der Schlüssel dazu. Das Center for Internet Security priorisiert Sicherheitskontrollen auf Basis ihrer Effektivität. Die BSI-Standards zur Internet-Sicherheit des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Cyber Essentials, die Essential 8 des Australian Signals Directorate und andere etablierte Frameworks definieren ähnliche Ansätze.

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