Erste Wolken am Konjunkturhimmel

Die Wirtschaft in der Region Bonn/Rhein-Sieg kühlt sich etwas ab. Während die gegenwärtige Lage nach wie vor ausgesprochen gut eingeschätzt wird, ziehen erste dunkle Wolken am Horizont auf. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg zum Herbst 2018. Die IHK-Konjunkturklimaindikator liegt mit 126 Punkten unter dem Ergebnis vom Frühsommer 2018 (130 Punkte). „Auslöser sind die zurückhaltenden Erwartungen. Zwar rechnet noch ein Viertel der Unternehmen in den kommenden Monaten mit einer positiven Geschäftsentwicklung, aber 12 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verschlechterung“, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille beim heutigen Pressegespräch in der IHK. Die aktuelle Geschäftslage wird hingegen unverändert positiv eingeschätzt. Fast jedes zweite Unternehmen bezeichnet diese als gut, weitere 43 Prozent noch als befriedigend.

Gründe für die anhaltend gute Lage sind eine hohe Binnennachfrage und die Tatsache, dass Deutschland zumindest kurzfristig nicht mehr im Mittelpunkt der Handelsstreitigkeiten steht. Hille: „Das in Zukunft prognostizierte reduzierte Wachstum der Weltwirtschaft wird sich auch auf die exportabhängige regionale Wirtschaft auswirken. Dazu kommen als bedeutende Risiken Probleme bei der Gewinnung von Fachkräften und Wettbewerbsnachteile durch die im internationalen Vergleich hohe Besteuerung.“ Den kommenden Herausforderungen begegnet die regionale Wirtschaft mit einer steigenden Investitionsbereitschaft. Vier von zehn Unternehmen wollen in Zukunft mehr investieren, lediglich 15 Prozent planen Einschnitte. Die positive Beschäftigungsentwicklung in der Region Bonn/Rhein-Sieg wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Der IHK-Beschäftigungsindikator deutet mit 13 Punkten auf ein weiteres kontinuierliches Wachstum hin. Zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahlen unverändert belassen, jedes vierte Unternehmen plant eine Erhöhung.

Die Ergebnisse nach Branchen

Seit Jahren nahezu unverändert präsentiert sich der IHK-Geschäftsklimaindex für den Dienstleistungssektor. Diese, den Standort prägende Branche erreicht mit 137 Punkten erneut ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fällt im Vergleich zur Vorumfrage sogar nochmal ein wenig besser aus. Nur sieben Prozent sind unzufrieden, 56 Prozent der befragten Dienstleister berichten von guten Geschäften. Ein Ende der Hochkonjunktur ist auch in den kommenden Monaten nicht abzusehen. Ein Drittel der Dienstleistungsunternehmen

rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäfte. Die Mehrheit geht von einem gleichbleibend hohen Niveau aus. „40 Prozent der Unternehmen können allerdings aktuell offene Stellen längerfristig nicht besetzen“, sagte IHK-Konjunkturreferent Michael Schmaus: „Bei den Dienstleistern ergeben sich dabei die größten Schwierigkeiten bei der Suche nach Arbeitskräften mit Hochschulabschluss insbesondere im Bereich ITK und Unternehmensberatung. Damit bleibt der Fachkräftemangel weiterhin das Hauptrisiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Ein möglicher Rückgang der Inlandsnachfrage folgt mit steigender Tendenz auf Platz zwei.

Der IHK-Geschäftsklimaindex für die Industrie muss im Herbst 2018 einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Nach dem Rekordwert im Frühsommer hat er 17 Punkte verloren und notiert jetzt bei 122 Punkten. Hauptursache für den Rückgang ist eine weniger positive Beurteilung der aktuellen Lage. Trotzdem bezeichnet noch immer die Hälfte aller Unternehmen die Situation als gut und nur elf Prozent als schlecht. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate werden reduziert. Die Anzahl der Industriebetriebe mit negativen Aussichten hat sich mit 20 Prozent im Vergleich zum Frühsommer mehr als verdoppelt. Hintergrund ist eine weit verbreitete Stagnation bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland.

Der Einzelhandel in der Region beurteilt seine Lage wieder etwas besser. Der IHK-Geschäftsklimaindex legt um zwei Punkte zu und befindet sich mit 111 Punkten weiterhin auf einem für die Branche durchschnittlichen Niveau. 34 Prozent der Einzelhändler bezeichnen ihre Situation als gut, weitere 50 Prozent als befriedigend. Schmaus: „Bei vielen Händlern konnte der im Frühsommer beobachtbare Rückgang der Umsätze gestoppt werden. Aktuell halten sich die Unternehmen mit steigenden und sinkenden Umsätzen im Kammerbezirk in etwa die Waage.“ Die Erwartungen deuten in den nächsten Monaten auf eine konstante

Entwicklung hin. Der Großteil der Einzelhändler geht von gleichbleibenden Geschäften aus. „Auf der einen Seite befeuern der gute Arbeitsmarkt und steigende Löhne die Konsumlaune, auf der anderen Seite sorgen eine steigende Inflationsrate und eine höhere Sparquote für Abkühlung“, so Schmaus.

Der IHK-Geschäftsklimaindex für die Informations- und Kommunikationsbranche kann auch im Herbst 2018 mit 138 Punkten einen hervorragenden Wert erzielen und den leichten Rückgang aus dem Frühsommer zumindest teilweise kompensieren. Die zuletzt rückläufige Erwartungshaltung hat sich wieder deutlich aufgehellt. 36 Prozent der Unternehmen gehen in den kommenden zwölf Monaten von sich verbessernden Geschäften aus. Im Gegensatz dazu fallen die Lagebeurteilungen nicht mehr ganz so euphorisch wie im Frühsommer aus. Allerdings bezeichnen noch immer fast 60 Prozent der Unternehmen ihre Situation als gut und nur zwölf Prozent als schlecht. Die Hälfte der antworteten Unternehmen hat längerfristig Schwierigkeiten offene Stellen erfolgreich zu besetzen. Schmaus: „Aktuell mangelt es hauptsächlich an Bewerbern mit Hochschulabschluss, aber auch im Bereich der dualen Ausbildung besteht Bedarf. Hauptgrund für die Ablehnung von Bewerbern ist eine nicht ausreichende oder nicht passende Qualifikation.“

Das Gastgewerbe muss einen weiteren Rückgang des IHK-Geschäftsklimaindex hinnehmen. Zum dritten Mal in Folge verliert der Index an Boden und liegt mit 103 Punkten nur noch knapp über der wichtigen 100-Punkte-Linie. Dies ist das schlechteste Ergebnis seit über vier Jahren. Auslöser ist eine Eintrübung der Erwartungen. Nur noch jedes zehnte Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung

der Geschäfte innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Mehrheit geht von einer gleichbleibenden Entwicklung aus, immerhin ein Viertel der Gastwirte erwartet einen Rückgang.

Der IHK-Geschäftsklimaindex für das Verkehrsgewerbe setzt mit 124 Punkten die Seitwärtsbewegung der letzten Umfragen unverändert fort. Die Lageeinschätzung verbessert sich deutlich, der Anteil der Logistiker mit guten Geschäften steigt von 33 auf 52 Prozent. Im Gegensatz dazu geht die Erwartungshaltung seit der Vorumfrage eindeutig zurück. Schmaus: „Dies ist angesichts der sehr guten Ausgangslage und der zu erwartenden Verlangsamung des weltweiten Wachstums allerdings auch nicht verwunderlich. Hinzu kommt, dass die Verkehrsinfrastruktur in vielen Bereichen an ihre Grenzen kommt und damit einem weiterem Wachstum im Wege steht.“

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Region steuert auf Übernachtungsrekord zu

Die Tourismusunternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg sind mit der aktuellen Situation zufrieden. Das hat die aktuelle Tourismusumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg unter 663 Unternehmen aus den Branchen Gastgewerbe und Reisegewerbe (Reisebüros, Reiseveranstalter, Personenbeförderung, Event etc.) ergeben, von denen 93 Unternehmen (14 Prozent) geantwortet haben. Über 50 Prozent der Unternehmen bewerten demnach ihre derzeitige Lage als gut. Lediglich zehn Prozent der Betriebe beurteilen ihre Lage als schlecht. „Die Region Bonn/Rhein-Sieg steuert bei den Übernachtungszahlen (2,9 Millionen in 2016) in 2017 auf oder über die Drei-Millionen-Marke zu“, erläutert IHK-Geschäftsführer Professor Dr. Stephan Wimmers. So geben dann auch 50 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe an, dass ihre Auslastung gestiegen ist. Wimmers: „In der Lagebeurteilung spiegelt sich teilweise die gute Auslastung im Monat November durch die COP 23 wider, wobei der November ohnehin ein guter Tagungsmonat ist.“

Für die kommenden Monate erwarten 30 Prozent der Unternehmen eine günstigere Geschäftsentwicklung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit gleichbleibenden Geschäften. Gut 14 Prozent befürchten Einbußen. Wimmers: „Der IHK-Bezirk ist keine Wintertourismusregion und dementsprechend gehen die Erwartungen der Unternehmen moderat zurück.“ Nach wie vor sei die Auslastung vieler Hotelbetriebe insbesondere an den Wochenenden ausbaufähig. So liegt dann auch der Geschäftsklimaindex im Tourismusgewerbe mit 127,4 leicht unter dem Index der Gesamtwirtschaft im IHK-Bezirk (129).

Insgesamt beabsichtigen wie im letzten Jahr 90 Prozent der Unternehmen, in den kommenden Monaten zu investieren. Aber nur 17 Prozent werden in den kommenden Monaten mehr investieren (Vorjahresumfrage 28 Prozent). Gut 53 Prozent werden ihre Investitionsausgaben nicht verändern und rund 20 Prozent werden weniger investieren. Hauptmotiv für die Investitionen ist vor allem im Gastgewerbe die Modernisierung.

Mit Blick auf die Risiken für die Geschäftsentwicklung nennen rund 57 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel. Wimmers: „In der Region wird es zunehmend schwerer, qualifizierte Fachkräfte zu finden, so dass der weitere Ausbau der Tourismus- und Kongressaktivitäten dadurch behindert wird. Unter dem Fachkräftemangel leiden sowohl bestehende als auch neueröffnete Betriebe.“ In den Arbeitskosten sieht wie in der Vorumfrage mehr als die Hälfte der Betriebe hohe Risiken. Insbesondere der Mindestlohn und die damit verbundenen Auflagen erschweren es den Unternehmen, ihre Kosten zu stabilisieren. Aufgrund des harten Preiswettbewerbs können Kostensteigerungen kaum an die Kunden weiter gegeben werden. Weiter nennen die Unternehmen (33 Prozent) die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko. Besonders im Reisegewerbe bereitet den Unternehmen die Pauschalreiserichtlinie erheblich Sorgen. Im Gastgewerbe stellen auch die Energiekosten ein erhebliches Risiko dar.

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